Alltagsabenteuer: Die wilde Waschmaschine

Die Sonnenstrahlen hatten Frühlingsputzgefühle in mir geweckt und wir saßen am blitzblanken Frühstückstisch, während im Hintergrund die zweite Waschmaschinen-Ladung für angenehmes Hintergrundgerumpel sorgte. Draußen zwitscherten die Vögel, die Sonne schien durchs Fenster und es versprach ein richtiger schöner Tag zu werden. Plötzlich runzelte Johannes die Stirn.

„Hörst du das?“

„Was?“

„Ach… nichts.“

Ich wollte gerade in mein mit Tahin und Honig beschmiertes Fladenbrot beißen, als Johannes sein Messer fallen ließ und entsetzt aufsprang. Jetzt hörte ich es auch: Ein leises Tropfen, erst langsam, dann immer schneller.

Wir rannten in die Küche und da sahen wir es: Aus der Waschmaschine tropfte es und die Pfütze wurde rasch größer. „Was sollen wir tun?“, rief ich und schlug filmreif die Hände über dem Kopf zusammen, während Johannes ins Badezimmer stürzte, um den Wischer zu holen. Ich rannte hinterher und griff mir einen Stapel Handtücher, doch auf dem Rückweg mussten wir bereits durch knietiefes Wasser waten und kamen nur langsam voran. Fieberhaft begannen wir einen Wall aus Sandsäcken aufzuschichten, doch die nächste Flutwelle riss ihn nieder. „Wir müssen in die Küche!“, schrie ich und Hand in Hand kämpften wir uns durch die Wassermassen.

Johannes packte das Zwergpony, das uns entgegen gespült kam und dem das Wasser schon bis zum Hals stand. Mit übermenschlicher Kraft hob er es über seinen Kopf und setzte es auf der Dunstabzugshaube ab. Von dort muss es entwischt sein, denn wir sahen es nie wieder. Ich war inzwischen damit beschäftigt, mit der großen Salatschüssel und dem Schnellkochtopf das Wasser aus der Küche und durch die Balkontür in den Hof zu schöpfen. „Es hilft nichts“, schrie ich Johannes zu, der gerade die Hühner mit dem Schlauchboot einsammelte, „Ich muss tauchen!“ 

Johannes warf mir ein langes Seil zu und versprach, mich wieder heraufzuziehen, wenn ich dreimal am Seil zog. Ich schnallte mir die Druckluftflaschen auf den Rücken, warf Johannes eine Kusshand zu und warf mich ins strömende Wasser. Ich schaffte es kaum, gegen die Stromschnellen anzuschwimmen, weil ich dabei auch noch den Küchenmessern und Tintenfischen ausweichen musste. Endlich erreichte ich die Waschmaschine und sah nun auch die Ursache des ganzen Übels: Ein Wollsocke klemmte in der Dichtung! Und die Waschmaschine wusch munter weiter, während das Wasser aus der Trommel durch die Tür in die Küche strömte. Ich dichtete den Spalt notdürftig mit meinen Haaren ab, dann stellte ich das Programm auf abpumpen. 

Langsam begann der Wasserspiegel zu sinken. Ich zupfte dreimal am Seil und mein Kapitän zog mich nach oben. „Du hast es geschafft!“, jubelte er. „Nein, wir haben es geschafft!“, lächelte ich. Wir sammelten die Fische auf, die jetzt auf dem Küchenboden zappelten und brachten sie in die Badewanne. Dann wischten wir die letzten Pfützen auf, öffneten die Waschmaschinentür, entfernten die Socke, die all das Unheil verursacht hatte, ließen das Wasch-Programm weiterlaufen und setzen uns wieder an den Frühstückstisch. „Von dieser Geschichte werden wir noch unseren Enkelkindern erzählen können“, sagte Johannes kopfschüttelnd und ich nickte und biss glücklich in mein Fladenbrot.

P.S. Die Wollsocke war die ganze Geschichte natürlich schrecklich unangenehm. Aber nach ihrer herzzerreißenden Entschuldigung wurde ihr großzügig verziehen. Sie wurde mit den anderen Socken gewaschen und trocknete glücklich in der Sonne.

P.P.S. Wenn du in letzter Zeit ähnliche Abenteuer erlebt hast, freu ich mich davon zu hören!

P.P.P.S. Wenn ihr das Zwergpony seht, schickt es bitte wieder nach Hause.

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